Designprozesse

Warum der Auftraggeber mit die Reise muss

Miss­ver­ständ­nis­se wäh­rend eines Design­pro­jek­tes ent­ste­hen oft, weil dem Auf­trag­ge­ber der Design­pro­zess nicht klar ist. Vor allem, wenn jemand noch kei­ne Erfah­rung mit krea­ti­ven Dienst­leis­tern gemacht hat, kann er nicht wis­sen, was der Desi­gner braucht um ein gutes Ergeb­nis zu lie­fern.

 

Das ist sel­ten böser Wil­le: Ein neu­er Kun­de von mir woll­te anfäng­lich kein Brie­fing schrei­ben, weil er glaub­te, dass er mich damit in mei­ner Krea­ti­vi­tät ein­schrän­ken wür­de. Ein ande­rer wie­der­um war anfangs irri­tiert –spä­ter ange­nehm über­rascht– über die inten­si­ve Zusam­men­ar­beit.

Was vie­le Auf­trag­ge­ber nicht wis­sen: Wir Desi­gner brau­chen Sie. Ganz drin­gend sogar. Mal mehr, mal weni­ger oft, aber in jeder Pro­jekt­pha­se. Lesen Sie hier war­um.

 

1. Brie­fing

Das Brie­fing ist die Grund­la­ge eines jeden Desi­gnauf­trags. Bevor die Gestal­tungs­ar­beit beginnt, muss zuerst ein gemein­sa­mes Ver­ständ­nis von dem Auf­trag ent­wi­ckelt wer­den. Hier geht es um Ziel­for­mu­lie­rung, Ziel­grup­pen, Bud­get, Umfang etc. Ein soli­des Brie­fing erspart vor allem Ihnen als Auf­trag­ge­ber viel Ärger: Weiß der Desi­gner nicht wohin die Rei­se gehen soll, sind unge­plan­te Kos­ten und Zeit­not sehr wahr­schein­lich. Sehr hilf­reich ist es, wenn sie das Brie­fing mit dem Desi­gner zusam­men ent­wi­ckeln. Wich­tig ist dabei, dass eine Sei­te das Brie­fing ver­schrift­licht und mit dem ande­ren teilt.

Was zu einem Brie­fing gehört, habe ich hier beschrie­ben.

 

2. Mood­boards

Bei kom­ple­xe­ren Desi­gnauf­trä­gen wie der Ent­wick­lung eines Cor­po­ra­te Designs, beginnt der Desi­gner oft mit der Gestal­tung von „Mood­boards“. Ein Mood­board ist eine Col­la­ge von Schrif­ten, Far­ben, Fotos, Mus­tern und Tex­tu­ren, die eine bestimm­te Gestal­tungs­welt erah­nen las­sen. Es geht hier nicht um das ein­zel­ne Detail, son­dern um die gesam­te Stim­mung des Mood­boards.

Zusam­men mit dem Desi­gner wäh­len Sie ein Mood­board aus, dass dann die Grund­la­ge für den ers­ten kon­kre­ten Ent­wurf bie­tet. Bespre­chen sie bei­de genau, was an dem aus­ge­wähl­ten Mood­board beson­ders tref­fend ist. Ist es eine bestimm­te Far­be oder die Licht­stim­mung der Fotos? Dann soll­te dies im ers­ten Ent­wurf aus­ge­baut wer­den.

Sie müs­sen zunächst mit dem Desi­gner ein gemein­sa­mes Ver­ständ­nis des Auf­trags ent­wi­ckeln. Auch Mood­boards müs­sen vom Desi­gner mal eine Wei­le lie­gen gelas­sen wer­den um sie am nächs­ten Tag mit fri­schem Blick zu beur­tei­len. Rech­nen Sie des­we­gen für die­se ers­ten zwei Pha­sen die Hälf­te der Pro­jekt­zeit ein.

 

3. Ers­ter Ent­wurf

Der Desi­gner ent­wi­ckelt nun auf Grund­la­ge des gewähl­ten Mood­boards die wich­tigs­ten Desi­gnele­men­te. Bei einem Cor­po­ra­te Design sind das unter ande­rem Schrif­ten, Farb- und Bild­welt, Icons, visu­el­le Klam­mer etc. Die Anwen­dung der ein­zel­nen Ele­men­te wird hier vom Desi­gner oft bei­spiel­haft auf ver­schie­de­nen Medi­en wie Ver­pa­ckun­gen oder einer Lan­ding­pa­ge gezeigt.

In die­ser ers­ten Gestal­tungs­pha­se ist bei Auf­trag­ge­bern der soge­nann­te „Schul­ter­blick“ sehr beliebt. Hier las­sen Sie sich vom Desi­gner mit­ten im Gestal­tungs­pro­zess die bis­he­ri­gen Ergeb­nis­se zei­gen. Das gibt vie­len Auf­trag­ge­bern das Gefühl die Kon­trol­le zu behal­ten, birgt aller­dings die Gefahr, dass Sie guten Ansät­zen zu früh „den Strom abdre­hen“. Las­sen Sie den Desi­gner lie­ber ein paar Gestal­tungs­li­ni­en soweit aus­ar­bei­ten, dass ein kla­res Bild ent­steht.

 

4. Bestands­auf­nah­me und Kor­rek­tu­ren

Sie haben sich vom Desi­gner die ver­schie­de­nen Gestal­tungs­li­ni­en prä­sen­tie­ren las­sen und befin­den sich prak­tisch in der Halb­zeit­pau­se. Jetzt ist die Zeit gekom­men für eine Zwi­schen­be­spre­chung. Bewer­ten und prü­fen Sie gemein­sam die Designs auf Ihre Anwend­bar­keit und ob sie zur Ziel­for­mu­lie­rung aus dem Brie­fing pas­sen.

Jetzt kön­nen noch Ergän­zun­gen und Kurs­kor­rek­tu­ren vor­ge­nom­men wer­den, die in einer spä­te­ren Pha­se einen deut­li­chen Mehr­auf­wand bedeu­ten wür­den. Alle Wün­sche, Anpas­sun­gen und Kor­rek­tu­ren soll­ten wie­der schrift­lich und so genau und kon­kret wie mög­lich fest­ge­hal­ten wer­den.

Ver­su­chen Sie spä­tes­tens hier ein gemein­sa­mes Voka­bu­lar für Rück­mel­dun­gen mit Ihrem Desi­gner zu ent­wi­ckeln. Ver­mei­den Sie Pau­schal­ur­tei­le wie „gefällt mit nicht“. Ver­su­chen Sie statt­des­sen so prä­zi­se wie mög­lich zu sein, z.B. in dem Sie sich etwas „flo­ra­ler“ oder „geo­me­tri­scher“ wün­schen. Oder zei­gen Sie dem Desi­gner Bei­spie­le, die Sie für gelun­gen hal­ten. Auf etwas so Kon­kre­tes kann ein er viel bes­ser reagie­ren.

5. Rea­li­sa­ti­on

Nach mög­li­chen Kor­rek­tu­ren wird das Design nun kon­kret. Der Desi­gner ent­wi­ckelt ein ver­bind­li­ches Gestal­tungs­kon­zept, in dem z.B. bei einem Cor­po­ra­te Design das Gestal­tungs­ras­ter und die kor­rek­te Anwen­dung des Logos defi­niert wer­den. Auch bespro­che­ne Medi­en wie eine Geschäfts­aus­stat­tung oder eine Ver­pa­ckung wer­den hier anhand der erar­bei­te­ten Richt­li­ni­en umge­setzt.

Spä­tes­tens hier braucht der Desi­gner die Kon­takt­da­ten zu bei­spiels­wei­se Pro­vi­dern oder Dru­cke­rei­en um mit Ihnen die tech­ni­sche Umset­zung zu bespre­chen. Der Desi­gner über­wacht für Sie die tech­ni­sche Umset­zung und auch bei Rück­fra­gen für die Dru­cke­rei oder den Pro­gram­mie­rer ansprech­bar.

In die­ser „hei­ßen Pha­se“ ist es beson­ders wich­tig, dass Sie als Auf­trag­ge­ber für den Desi­gner gut erreich­bar sind.

 

6. De-Brie­fing

Eini­ge Pro­jek­te schlie­ßen mit einem De-Brie­fing ab. Hier las­sen Auf­trag­ge­ber und Desi­gner den Auf­trag und sei­ne Abwick­lung noch ein­mal Revue pas­sie­ren und hal­ten Ver­bes­se­run­gen für mög­li­che künf­ti­ge Auf­trä­ge fest. Auch hier lohnt es sich wie­der die­se Punk­te schrift­lich fest­zu­hal­ten und unter­ein­an­der aus­zu­tau­schen.

Sie sehen, dass es kei­ne Pro­jekt­pha­se gibt, in der Sie als Auf­trag­ge­ber nicht gebraucht wer­den. Ihr Gestal­tungs­wil­le ist genau­so wich­tig wie der des Desi­gners sel­ber.

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