Ihre Visitenkarte Teil 1: Das Material

Knochen oder doch lieber Eierschale?

Auch wenn unse­re Geschäfts­welt mitt­ler­wei­le »durch­di­gi­ta­li­siert« erscheint: Die gute, alte Visi­ten­kar­te ist immer noch das wich­tigs­te visu­el­le Aus­hän­ge­schild für eine Fir­ma, wenn es um den ers­ten per­sön­li­chen Kon­takt geht.

 

Des­we­gen kann man zu ihrer Gestal­tung, ihren Inhal­ten oder zur Art und Wei­se wie man sie über­reicht, gan­ze Trak­ta­te schrei­ben, was ich Ihnen als Leser natür­lich nicht zumu­ten möch­te. Statt­des­sen möch­te ich eine klei­ne Blog­rei­he mit prak­ti­schen Tipps für Ihre eige­ne Visi­ten­kar­te star­ten und mit dem The­ma »Mate­ri­al« beginnen.

 

Ein biss­chen »Ame­ri­can Psy­cho« kön­nen Sie sich erlauben

 

»Mate­ri­al? Eine Visi­ten­kar­te braucht doch ein­fach kräf­ti­ges Papier«, wer­den Sie nun viel­leicht den­ken. Ist das wirk­lich so? Schau­en Sie sich dazu die groß­ar­ti­ge Sze­ne mit Chris­ti­an Bale in »Ame­ri­can Psy­cho« an:

 

Quel­le: You­tube

 

Zuge­ge­ben, hier wird die Visi­ten­kar­te ziem­lich feti­schi­siert und die gan­ze Sze­ne ist stark über­trie­ben. Aber sie zeigt sehr schön, dass man sei­ne Bot­schaft und sei­nen Sta­tus nicht nur über die gra­fi­sche Gestal­tung, son­dern auch über das Trä­ger­ma­te­ri­al zeigt. Die­ses unge­schrie­be­ne Design-Gesetz wird hier geni­al illus­triert: Die eit­le Haupt­fi­gur mit töd­li­chem Hob­by eröff­net den »Wett­kampf« mit einer Visi­ten­kar­te aus Knochen.

Den­ken Sie nur ein ganz klei­nes biss­chen wie der »Ame­ri­can Psy­cho«. Sei­en Sie etwas eitel und den­ken Sie über den Wert und das Kern­ge­schäft Ihrer Fir­ma nach um zum pas­sen­den Mate­ri­al für Ihre Geschäfts­pa­pie­re zu kom­men. Die­se Fra­gen kön­nen Ihnen helfen:

 

Was macht Ihre Fir­ma im Kern aus?

 

Stel­len Sie sich vor, Ihre Fir­ma stellt Ver­pa­ckungs­ma­te­ria­li­en für die Indus­trie her. Ihre Auf­ga­be ist es also, dass die Ware Ihrer Kun­den sicher ans Ziel kommt. Kom­mu­ni­zie­ren Sie die Sta­bi­li­tät Ihrer Pro­duk­te über die Visi­ten­kar­te, indem Sie deut­lich dicker als die übli­chen 300g/qm sind.

Ähn­lich habe ich für die Fir­ma HESCHU gear­bei­tet. Hier wer­den grob gefer­tig­te Metall­wa­ren für die Auto­mo­bil-Indus­trie sehr fein wei­ter­be­ar­bei­tet, damit die den Qua­li­täts­stan­dards ent­spre­chen. Die Kern­auf­ga­be des Unter­neh­mens ist also auf der einen Sei­te zupa­cken­des Hand­werk und auf der ande­ren Sei­te die Ver­fei­ne­rung des ange­lie­fer­ten Mate­ri­als. Des­we­gen habe ich für HESCHU eine mehr­la­gi­ge Visi­ten­kar­te mit 600g/qm Stär­ke aus­ge­sucht (»Kraft, Robust­heit«), die einen far­bi­gen Kern als Detail hat (»Ver­fei­ne­rung«).

 

Visi­ten­kar­te für die Fir­ma HESCHU
Zum Pro­jekt

 

Wel­che Kon­ven­tio­nen gibt es in Ihrer Branche?

 

Im B2B-Bereich soll­te man sich mit dem Mate­ri­al nicht all­zu stark aus dem Fens­ter leh­nen. Hier sind Under­state­ment und Fein­ge­fühl gefragt. Bei kom­ple­xen Dienst­leis­tun­gen wie in der Finanz­bran­che oder im Con­sul­ting-Bereich ach­ten Sie auf eine hoch­wer­ti­ge, wei­che und glat­te Hap­tik. Visi­ten­kar­ten aus die­sen Bereich sind oft schwarz- und dun­kel­blau­las­tig. Das Papier soll­te des­we­gen nicht hoch­weiß, son­dern leicht warm­weiß sein. Der Gesamt­ein­druck wird dann seri­ös, aber weni­ger anonym. Bei­spiel: der Feinst­kar­ton ATLAN­TIC von IGE­PA oder der Feinst­kar­ton MYTHOS von Deut­sche Papier.

 

Das Feinst­pa­pier ATLANTIC
Quel­le: Papier­bot­schaft

 

Im Coa­ching- und Per­so­nal-Bereich darf auch das Papier etwas »men­scheln«. Das Papier kann etwas wär­mer und sei­ne Ober­flä­che offe­ner sein. Das Papier »Design Off­set« von IGE­PA ist hier ein gutes Beispiel.

 

Die Ober­flä­che des Papiers »Design Offset«
Quel­le: Cari­no Karten

 

In wel­cher Situa­ti­on über­ge­ben Sie Ihre Visitenkarte?

 

Nicht alle Geschäfts­leu­te ler­nen sich nur auf Busi­ness-Netz­werk-Tref­fen in abge­schlos­se­nen Räu­men ken­nen. Die Umge­bung kann also durch­aus eine Rol­le spie­len. Ein Bei­spiel: Sie betrei­ben ein Schwimm­bad und haben also viel mit Was­ser zu tun. Wenn Sie nach dem Pro­be-Trai­ning eine klas­si­sche Visi­ten­kar­te aus Papier aus­hän­di­gen, kön­nen Sie froh sein, wenn die­se es nur hei­le in die Umklei­de schafft. Wie wäre es also mit einer Visi­ten­kar­te aus trans­pa­ren­tem Kunststoff?

 

Visi­ten­kar­ten aus Kunststoff
Quel­le: Druck Stu­co

 

Sind Sie irgend­wie anders?

 

Arbei­ten Sie in einem unge­wöhn­li­chen Busi­ness, kön­nen Sie auch bei der Mate­ri­al­aus­wahl muti­ger sein. Sie sind bei­spiels­wei­se Tier­trai­ner für Film und Fern­se­hen? Wie wäre es mit einer Visi­ten­kar­te aus Tier-Dung? Kein Scherz, das gibt es wirk­lich und riecht wirk­lich nicht:

 

Quel­le: Poo­Poo Paper

Weni­ger spek­ta­ku­lär, aber auch sehr schön: Papier aus Bier kommt für eini­ge Dienst­leis­ter aus der Gas­tro­no­mie in Frage.

 

Quel­le: Gmund Papie­re

 

Haben Sie viel­leicht schon Visi­ten­kar­ten aus beson­de­rem oder ein­fach beson­ders pas­sen­dem Mate­ri­al? Oder haben Sie hier­zu noch Ide­en und Fra­gen? Dann freue mich auf Ihre Kommentare.

 

  • Weidner, Thomas-Erno

Dan­ke, Anni­ka – das Hap­ti­sche bei einer Visi­ten­kar­te muss mehr in den Mit­tel­punkt des CD gestellt wer­den. Das Erleb­nis eine beson­de­re Kar­te zu erhal­ten geht in unse­rer »neu­zeit­li­chen« Berufs­welt lei­der immer mehr verloren.

    • Annika Lyndgrun

    Lie­ber Erno,

    herz­li­chen Dank für dei­nen Kom­men­tar. Ich emp­fin­de es eben­falls so, dass das Mate­ri­al oft stief­müt­ter­lich behan­delt wird – sowohl von Desi­gnern als auch von Auf­trag­ge­bern. Dabei sagt es genau­so viel über jeman­den oder ein Unter­neh­men aus wie die gra­fi­sche Gestal­tung. Schön, dass du das auch so siehst.

    Herz­li­che Grüße,
    Annika

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