Kreuzfahrtschiff oder Ruderboot?

Der passende Umfang Ihres Corporate Designs

Cor­po­ra­te Design“ ist ein gro­ßes Wort. Bild­welt, Farb­sche­ma, gestal­te­ri­sche Klam­mer, Lay­ou­tras­ter, Logo-Sys­tem, typo­gra­fi­sches Kon­zept … Viel Arbeit, die ein guter Mar­ken­auf­tritt braucht. Aber eben nicht immer. Wann ein schlan­kes Basis-Design bes­ser für Ihr Unter­neh­men ist als das gro­ße Cor­po­ra­te-Design-Paket, erfah­ren Sie in die­sem Blog­ar­ti­kel.

 

Gut mög­lich, dass eini­ge Desi­gner­kol­le­gen mich nicht mehr beson­ders mögen, wenn Sie die­sen Arti­kel gele­sen haben. Denn mit Cor­po­ra­te Design kann man unter gewis­sen Umstän­den viel Geld ver­die­nen. Allei­ne für das Cor­po­ra­te Design Manu­al, das am Ende des Arbeits­pro­zes­ses den Unter­neh­mens­auf­tritt detail­liert doku­men­tiert, kom­men schnell 15 oder mehr Arbeits­ta­ge zusam­men.

Es gibt Unter­neh­men, die das brau­chen. Groß­un­ter­neh­men oder eben gro­ße Mit­tel­ständ­ler. Die arbei­ten in der Regel mit meh­re­ren Krea­tiv­dienst­leis­tern zusam­men und müs­sen dafür sor­gen, dass man das in ihrer Wer­bung oder auch bei inter­nen Unter­la­gen nicht sieht. Dazu muss jedes Design­de­tail fest­ge­legt wer­den. Ohne das wür­de ansons­ten die Hand­schrift des ein­zel­nen Desi­gners zu stark durch­kom­men und der ein­heit­li­che Mar­ken­auf­tritt wäre gefähr­det. Ein gutes Bei­spiel hier­für ist das Cor­po­ra­te Design der Bun­des­re­gie­rung.

 

Aus­zug aus dem CD Manu­al der Bun­des­re­gie­rung. Hier wer­den auch Pro­por­tio­nen genau defi­niert.

 

Gro­ße Lösun­gen sind nicht immer die bes­ten

Ich erle­be oft, dass auch klei­ne­ren Fir­men die­se umfas­sen­den Cor­po­ra­te Designs ver­kauft wer­den. Dabei ent­ste­hen zum Bei­spiel Datei-Ord­ner mit Logo-Ver­sio­nen für alle mög­li­chen Prin­t­an­wen­dun­gen, obwohl klar ist, dass der Kun­de aus Kos­ten­grün­den sei­ne Unter­la­gen zunächst nur in klei­nen Auf­la­gen aus­schließ­lich im Digi­tal­druck pro­du­ziert. Oder das Cor­po­ra­te Design Manu­al ist kom­plett für pro­fes­sio­nel­le Gra­fi­ker geschrie­ben wor­den, gibt aber kei­nen Hin­weis dar­auf wie der Kun­de sel­ber im All­tag sein Mar­ken­de­sign füh­ren kann.

Bild­lich gespro­chen: Gera­de klei­ne­ren Fir­men emp­feh­le ich öfter das schnel­le, anpas­sungs­fä­hi­ge Ruder­boot als Cor­po­ra­te Design statt des gro­ßen Kreuz­fahrt­schif­fes. Bei­spiel: Das Logo soll­te nach wie vor eine Schutz­zo­ne bekom­men, dass ihm genug Raum gibt um zu wir­ken. Ein räum­li­ches Ver­hält­nis zwi­schen Logo und der gesam­ten Gestal­tungs­flä­che defi­nie­ren zu wol­len, könn­te aber schon über das Ziel hin­aus­schie­ßen. Die Denk­wei­se in fes­ten Grö­ßen und Abstän­den im Digi­ta­len ohne­hin kaum durch­hal­ten und für den Kun­den per­sön­lich ist die­se Regel nicht gera­de all­tags­taug­lich.

Wie ein­fach ein Cor­po­ra­te Design Manu­al für den Anfang sein kann, zeigt die Agen­tur Post Pro­jects mit Ihrer Arbeit für das Revol­ver Café.

 

Die ein­fa­chen Vor­ga­ben für das Cor­po­ra­te Design des Revol­ver Cafés

 

Wann Sie ein umfas­sen­des Cor­po­ra­te Design brau­chen und wann eher eine schlan­ke­re, fle­xi­ble Lösung?

Zum einen hängt das von der aktu­el­len Ent­wick­lungs­pha­se Ihres Unter­neh­mens ab. Bei einem Start-Up reicht mei­nes Erach­tens sogar eine Art „Design-Rumpf­par­la­ment“: Brief­pa­pier, Visi­ten­kar­te, rechts­si­che­rer E-Mail-Foo­ter. Logo nur als Wort­mar­ke oder am bes­ten noch weni­ger: Nur als Schrift­zug. Eine Start-Up-Pha­se braucht auch bei klei­nen Unter­neh­men in etwa zwei Jah­re. In die­ser Zeit wer­den Kon­zep­te und Pro­duk­te in der Pra­xis getes­tet und Annah­men zu Ziel­grup­pen etc. wer­den in der Rea­li­tät geprüft. Erkennt­nis­se aus die­ser Pha­se füh­ren sehr oft dazu, dass man sein Ange­bot kor­ri­giert oder sei­ne Adres­sa­ten über­denkt. Steht dann schon ein auf­wen­dig erar­bei­te­tes Cor­po­ra­te Design, das aber schnell nicht passt, ist der Ärger groß.

Bei eta­blier­ten Unter­neh­men gibt es einen ähn­li­chen neur­al­gi­schen Punkt: Wenn sie auf­ge­kauft wur­den oder ein Geschäfts­füh­rerwech­sel für neu­en Wind in den Abtei­lun­gen sorgt. Im Grun­de eine Restart-Up-Situa­ti­on. Bei sol­chen unter­neh­me­ri­schen Ver­än­de­run­gen ist es sinn­voll früh Kon­takt zum Desi­gner auf­zu­neh­men. Er kann die­se Pro­zes­se als distan­zier­ter Beob­ach­ter spie­geln und beglei­ten und kann dadurch am bes­ten den Zeit­punkt benen­nen, wann die Ver­än­de­run­gen in ein neu­es Design gegos­sen wer­den soll­ten. Was auf kei­ne Fall pas­sie­ren soll­te: Die gro­ße Ver­än­de­rung des Unter­neh­mens wird nicht oder viel zu spät nach außen im Design gezeigt. Das fällt dem Unter­neh­mer ger­ne dann vor die Füße, wenn zeit­sen­si­ble Pro­jek­te wie z.B. Mes­se­auf­trit­te anste­hen.

 

Drum prü­fe, wer sich an sein Cor­po­ra­te Design bin­det

Wenn Sie nun prü­fen wol­len wo genau Sie gera­de mit Ihrem Cor­po­ra­te Design ste­hen, brei­ten Sie am bes­ten ein­mal auf einem gro­ßen Tisch alle Wer­be­mit­tel und Unter­la­gen aus. Prü­fen Sie zusam­men mit einem Desi­gner kri­tisch ob es sich hier um einen ein­heit­li­chen Mar­ken­auf­tritt han­delt und ob die­ser noch zum Selbst­ver­ständ­nis des Unter­neh­mens und Ihrer Ziel­grup­pe passt. Und wenn sich hier noch Lücken auf­tun, über­le­gen Sie, ob ein umfas­sen­des Cor­po­ra­te Design für eine grund­sätz­li­che Ord­nung sor­gen soll oder ob es reicht nur eini­ge Stell­schrau­ben zu dre­hen.

Was haben Sie mit Ihrem Cor­po­ra­te Design und sei­ner Ent­wick­lung erlebt? Ich freue mich auf Ihre Erfah­rung und Mei­nung.

 

 

 

 

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