Orange

Melancholischer Herbst und billiger Konsum

Bevor der dunk­le, kal­te Win­ter kommt, bäumt die Natur sich noch ein­mal auf und zeigt im Herbst ihre typi­schen sat­ten Far­ben. Dabei fällt vor allem das Oran­ge auf, das ansons­ten in der Natur kaum vor­kommt. Vie­le genie­ßen die typi­sche Herbst­far­be bei einem Sonn­tags­spa­zier­gang im Wald. Ansons­ten wol­len die meis­ten nichts mit die­ser Far­be zu tun haben. Sie gehört zusam­men mit Braun zu den unbe­liebs­tes­ten Far­ben in Deutsch­land. Wor­an liegt das?

 

Eine tief­grün­di­ge Far­be – Nur nicht bei uns

 

Ver­lie­ren die Blät­ter ihr Grün, wer­den Sie zunächst Oran­ge bevor sie gelb und anschlie­ßend braun wer­den und ster­ben. Oran­ge steht also auch für einen Über­gang zwi­schen zwei Zustän­den, hier zwi­schen Leben und Tod. Nicht umsonst steht in Chi­na steht die Far­be sym­bo­lisch für den Wan­del. Auch in Indi­en ist die Far­be sehr beliebt, weil sie für den Bud­dhis­mus steht, wie man an den Gewän­dern der Mön­che leicht erkennt.

thailand-453393_960_720

Quel­le: https://pixabay.com

 

In der west­li­chen Welt hat die­se Far­be sym­bo­lisch aller­dings kei­nen guten Stand. Ihr haf­tet der Geruch des Bil­li­gen und Künst­li­chen an. Das liegt unter ande­rem dar­an, dass Wer­ber lan­ge Zeit güns­ti­ge Ange­bo­te mit die­ser Far­be auf­ge­la­den haben. Vor allem in der Han­dels­wer­bung kommt die­se Far­be auch heu­te noch häu­fig vor.

 

prospekt_az_de

Quel­le: https://www.prospekt-az.de/prospekte/baumarkte/globus-baumarkt/

 

Ein ande­res Bei­spiel: Wer im Düs­sel­dorf Flug­ha­fen am Gepäck­band auf sei­nen Kof­fer war­tet, dem wird die­se Farb­sym­bo­lik von der Mar­ke Sixt ziem­lich pene­trant ein­ge­flößt. Der gesam­te Gepäck­band­be­reich wur­de von dem Auto­ver­mie­ter und damit der Far­be Oran­ge okkupiert.

 

dus_gepaeckausgabe_1

Quel­le: https://www.sixtblog.de

 

Plastic fan­tastic

 

Es gibt auch einen his­to­ri­schen Grund für den Bil­lig­hei­mer Oran­ge: In der Nach­kriegs­zeit gab es einen rich­ti­gen Plas­tik-Boom, der vor allem Oran­ge war. Nach einer tris­ten, grau­en Zeit des Man­gels ermög­lich­te das bun­te, grel­le Plas­tik Kom­fort, Kon­sum und Spaß für alle gesell­schaft­li­che Schich­ten. Küchen­ge­rä­te, Klei­dungs­stü­cke und gan­ze Möbel wur­de eupho­risch aus Plas­te her­ge­stellt. Die Far­be Oran­ge wur­de so mit dem bil­li­gen Mate­ri­al ver­bun­den: Leicht, künst­lich, bil­lig und damit ein­fach weg­zu­wer­fen. Die 1970er sind ver­mut­lich die oran­ges­te Deka­de der Designgeschichte.

 

moulinette

Quel­le: http://www.ebay.de

 

cms-image-000043650

Quel­le: http://www.fluter.de/die-wiederkehr-des-verdraengten

 

Hier offen­bart sich aller­dings auch auch ande­re Sei­te die­ser sonst unge­lieb­ten Far­be. Sie steht für Vita­li­tät, Extro­ver­si­on, Akti­vi­tät und Ver­gnü­gen. Damit steht sie im Kon­trast zu ihrer Kom­ple­men­tär­far­be Blau, die für geis­ti­ge Tie­fe, Ruhe, Ratio­na­li­tät und Seriö­si­tät steht. Pas­send dazu sieht man Oran­ge daher häu­fig bei Sport­mar­ken und Fitness-Studios.

 

fitx_muskelkater_schweinehund_klimmzug

Quel­le: page-online.de

 

Reha­bi­li­ta­ti­on in orange?

 

Offen­bar voll­zieht das bil­li­ge, auf­dring­li­che Oran­ge in jüngs­ter Zeit eine 180°-Wendung. In den letz­ten Wochen habe ich gleich zwei Pla­ka­te zu ernst­zu­neh­men­den Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen gesich­tet, die exakt das gleich Signa­loran­ge als tra­gen­des Gestal­tungs­ele­ment benut­zen: Die „Night of Crea­ti­vi­ty“ und die Köl­ner „Art.Fair“. Genau­so wie die Stadt­rei­ni­gung und Bau­stel­len­mit­ar­bei­ter nut­zen hier die Gra­fi­ker die schwer zu schla­gen­de Signal­wir­kung in der urba­nen Umgebung.

 

le-petit-citron-atelier-kommunikation-duesseldorf-night-of-creativity-600x600px-2016_01

Quel­le: http://www.le-petit-citron.de/

 

Ob man Oran­ge nun mag oder nicht: Weg­gu­cken ist ausgeschlossen

Keine Kommentare gefunden

*