Quo vadis? – Cor­po­ra­te Design im digi­ta­len Wan­del

Desi­gner sind gera­de jetzt beson­ders inter­es­san­te Zeit­ge­nos­sen. Die digi­ta­le Revo­lu­ti­on ist dabei unse­re Arbeits- und Lebens­welt so stark zu ver­än­dern, dass eini­ge klu­ge Leu­te ihre Schlag­kraft mit der der Indus­tri­el­len Revo­lu­ti­on ver­glei­chen. In die­ser sich enorm schnell ver­än­dern­den Welt sind die guten Desi­gner wie Seis­mo­gra­phen, die schon lan­ge vor ande­ren die nächs­te Wel­le der Ver­än­de­rung erah­nen.

Einen sol­chen Desi­gner habe ich auf dem Forum Medi­en­de­sign in Köln ken­nen­ge­lernt, auf dem auch der AGD ver­tre­ten war. Ich lausch­te dem Vor­trag „Mar­ken im Wan­del – Auf Spu­ren­su­che in der digi­ta­len und ana­lo­gen Mar­ken­welt“ von Jochen Räde­ker, dem Grün­der und Geschäfts­füh­rer von Strich­punkt.

AUDI – Vor­sprung durch Tech­nik, die es noch nicht gibt, an die man aber den­ken muss

Strich­punkt arbei­tet zusam­men mit KMS Team und Blackspace für AUDI an einem neu­en Cor­po­ra­te Design, bei dem nicht nur die Tren­nung zwi­schen ana­lo­gen und digi­ta­len Medi­en auf­ge­löst wird. Räde­ker und sei­ne Agen­tur gin­gen viel wei­ter: „Wir müs­sen beim Gestal­ten an Medi­en den­ken, die es heu­te noch gar nicht gibt.“ Laut Strich­punkt wer­den die künf­ti­gen Hand­bü­cher zu einem Cor­po­ra­te Design des­we­gen eher schmal aus­fal­len, weil hier maxi­ma­le Fle­xi­bi­li­tät ist gefragt. Klas­si­ker wie die Schutz­zo­ne eines Logos und der star­ren Posi­tio­nie­rung von Desi­gnele­men­ten fal­len damit weg.

Das Ende des Cor­po­ra­te Designs wie wir es kann­ten?

Statt­des­sen wird bei AUDI das Inter­face zum Mar­ken­bot­schaf­ter. Das stellt grund­sätz­li­che Regeln des Cor­po­ra­te Designs, wie Desi­gner es häu­fig noch an ihren Hoch­schu­len gelernt haben, in Fra­ge. Denn die­se Gestal­tung muss bei­spiels­wei­se auch in einer App auf dem win­zi­gen Dis­play einer Smart­watch funk­tio­nie­ren. Bei­spiels­wei­se wur­de das AUDI Logo des­we­gen einer Radi­kal­kur unter­zo­gen.

In der Pra­xis bedeu­tet die­se Denk­wei­se ein extrem redu­zier­tes Design, eine stark ver­ein­fach­te Farb­welt und ganz neue Anfor­de­run­gen an den Desi­gner: Statt die per­fek­te Schrift­mi­schung zu fin­den oder ein aus­führ­li­ches Farb­kli­ma zu ent­wi­ckeln, fragt er sich wie genau die Ani­ma­ti­ons­kur­ve eines akti­vier­ten But­tons aus­sieht und wie er damit das typi­sche „AUDI Fee­ling“ trans­por­tiert.

Und? Quo vadis?

Inter­ak­ti­vi­tät zu ver­ste­hen und zu gestal­ten wird für Desi­gner immer wich­ti­ger. Räde­ker hat zu die­ser Ent­wick­lung eine ein­deu­ti­gen Hal­tung: „Wer nicht wenigs­tens die gän­gigs­ten Pro­gram­mier­spra­chen ver­steht, wird bald kein Cor­po­ra­te Design mehr gestal­ten kön­nen.“ Die­se radi­ka­le Aus­sa­ge gilt so sicher noch nicht für Desi­gnauf­trag von heu­te. Aber sie lässt die Beben erah­nen, die uns dem­nächst im Cor­po­ra­te Design erwar­ten.

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